Geographie Vortrag für alle Fünftklässler
Sollten Sie es aus der Tagespresse noch nicht erfahren haben, jetzt ist es raus: Sonnenberg hat gegen den Bau der Seilbahn gestimmt. Dreiviertel der Stimmberechtigten stimmten mit einem klaren „Nein“. Ob das für Sonnenberg die beste Wahl war, wird sich erst noch zeigen.
Aber jetzt mal kurz zurückgespult… Zu dieser Abstimmung kam es am vergangenen Freitag, den 17.4.2026, als unsere über 80 Fünftklässer einem Vortrag von Jonas Wagener, einem ehemaligen Praktikanten unseres Gymnasium, heute aber wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl der Geographie an der Uni Passau und Naturschutzreferent des Deutschen Alpenvereins, Sektion Passau, lauschten. Und gelauscht wurde wirklich, denn alles, was im Vortrag zum Thema „Die Alpen im Wandel“ zur Sprache kam, war so spannend, dass man es einfach hören wollte. Dass dieser Wandel des Hochgebirges, von dem auch Deutschland im Süden einen kleinen Anteil hat, sich zum einen innerhalb der Jahreszeiten abspielt, das mag ja für jedermann gut vorstellbar sein. Doch die Alpen haben sich vor Urzeiten aus dem Meer erhoben, Gesteine wurden aufgefaltet, überlagert und immer sofort wieder vom Zahn der Zeit umgestaltet. Die Alpen sind eine Naturlandschaft, die sich einer enormen Artenvielfalt erfreut, aber durch menschliche Nutzung, wie Rodungen zur Brennholzgewinnung für den Salzabbau oder touristische Inanspruchnahme, immer wieder neu gestaltet wurde.
Während vor 500 – 800 Jahren die Angst vor den Bergen überwog, damals gab es noch keine Fotos, aber Gemälde und Reiseberichte beweisen dies, hat der Mensch heute das Gebirge fest im Griff. Man nimmt sich das, was die Berge hergeben: Salz, Holz, Natur. Das Raubtier, das man früher in den Tälern und auf den Gipfeln vermutete, ist heute der Mensch selbst geworden. So ist zum Beispiel der Reichtum Berchtesgaden und Bad Reichenhalls durch die Salzgewinnung begründet. Und was für die Menschen gut war, war für die Natur zum Nachteil. Fast der ganze Wald rund um Berchtesgaden wurde abgeholzt und verfeuert, denn man brauchte Energie, um das „weiße Gold“ zu verarbeiten. Mit der Erfindung des Autos kam der Tourismus in die Alpen. Es wurden Straßen gebaut, Brücken, Unterkünfte und das, womit man früher dort in den Bergen sein Geld verdiente, nämlich die Landwirtschaft mit Ackerbau und Viehhaltung und ein bisschen Holzwirtschaft, das geriet ins Hintertreffen. 1931 entstand die erste Seilbahn zur Zugspitze auf bayerischer Seite und ab da kamen die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus. Doch mit den Urlaubern im Gepäck waren auch die Abgase, der Müll, der Lärm und somit war das der Anfang der Zerstörung, die eine weitere Veränderung der Alpen bedingte.
Anhand von Fotos und einer Zeitrafferaufnahme wurden wir Zuschauer Zeugen, wie die Gletscher in den Alpen ihre Eismassen verlieren. Der Aletsch-Gletscher im Kanton Wallis in der Schweiz, der Blaueisgletscher in den Berchtesgadener Alpen bei Ramsau, der Gletscher am Wilden Freiger zwischen Österreich und Italien, all diese Gletscher sind aufgrund der Erderwärmung dem Untergang geweiht. Ist es jetzt zu spät, darauf hinzuweisen, dass die Gletscher für die Natur und uns Menschen selbst eine enorme Wichtigkeit haben? Woher kommt das Wasser in den Gebirgsbächen, wenn die Gletscher abgetaut sind? Können wir die größten Gletscher der Erde, die Eismassen über dem Nordpol und über dem Südpol noch retten? Wir haben so viel erfahren, über die Alpen und über uns Menschen.
Und nach all den Informationen stellte Jonas Wagener seinen Zuhörern die alles entscheidende Frage: Braucht Sonnenberg eine Seilbahn, damit auch dort der Massentourismus, ein Overtourism,, ein Instagram Tourismus einziehen kann? Den Ausgang dieser Abstimmung haben Sie, werte Leserinnen und Leser, bereits erfahren. Unsere Bürgermeisterinnen, Anwohner, Naturschützer, Hotelbesitzerinnen und Touristen – allesamt gespielt von unseren Fünftklässlern und Fünftklässlerinnen – haben sich sehr vernünftig für die Natur und gegen den Tourismus ausgesprochen.
Und genau diese Abstimmung fand so vor 50 Jahren in Berchtesgaden statt. Und aufgrund eben dieser Abstimmung damals wurde der Nationalpark Berchtesgaden gegründet. Sonnenberg war also Berchtesgaden. Wir Zuhörer wussten das nicht. Aber der Vortrag von Jonas Wagener hat uns eines gelernt: Die Alpen haben sich gewandelt genug. Es ist Zeit das Gebirge zu schützen. Und das haben die Freudenhainer Schüler und Schülerinnen auf alle Fälle mit dem Ergebnis ihrer Abstimmung versucht.
Wissen kann also die Alpen retten!
Ursel Kraft
Fachleiterin Geographie








