Au-pair in Australien

australienSeit der Einführung des G8s wird das Gap Year immer beliebter unter den Abiturienten und auch ich entschied mich nach meinem Abitur 2015 dagegen, den direkten Bildungsweg zu gehen.

Möglichst weit weg war mein Ziel und viel weiter weg von Deutschland als Australien kann man nicht wirklich. Da der Backpackermarkt überschwemmt und dementsprechend unsicher ist, entschloss ich mich relativ spontan für einen Au-pair Aufenthalt. Bis Anfang August organisierte ich mir selbst einen Flug, Visum und natürlich die Gastfamilie. Ich entschied mich gegen eine Organisation, nicht nur wegen des gesparten Geldes sondern auch wegen der Flexibilität und Freiheit, die sich einem im Anschluss des Au-pair Aufenthaltes bietet. Es gibt neben kostenlosen Websites wie aupairworld.net, auch zahlreiche Facebookgruppen, in denen man seine Gastfamilie finden kann.

Ende August hieß es dann Abschied nehmen und ich flog von München über London und Hong Kong nach Brisbane. Dort wurde ich um Mitternacht von meinem Gastvater Robert schon erwartet und als wir zu Hause angekommen sind, habe ich versucht, meine Aufregung und den Jetlag zu ignorieren und etwas zu schlafen. Am nächsten Morgen wurde ich sehnsüchtig von meinen zwei Gastkindern Phoebe (8) und Edwina (8) erwartet und ich bekam eine exklusive Hausführung. In den nächsten Tagen organisierte ich mit (sehr viel) Unterstützung meiner Gastmutter Susie ein australisches Konto, SIM Karte, Steuernummer und eine „Go-Card“ für die öffentlichen Verkehrsmittel. Mit der Zeit lebt man sich in der Familie ein und es fällt einem immer leichter, morgens die Lunchboxen zu packen, unter Tags auf Edwina aufzupassen und Phoebe abends mit den Hausaufgaben zu helfen. In meinen fünf Monaten, die ich mit meiner Gastfamilie verbringen durfte, hat sich natürlich nach einigen Wochen der Alltag eingeschlichen und ja, es gab Tage, da hätte ich am liebsten aufgehört. Dennoch bin ich wahnsinnig dankbar, Teil dieser Familie gewesen zu sein mit allem was dazugehört: Familienfeste wie Geburtstage und Weihnachten, Australia Day, Urlaub an der Gold Coast, Sunshine Coast und auf South Stradbroke Island, …

Natürlich habe ich meine Zeit nicht nur mit meiner Gastfamilie verbracht. Die meisten meiner Wochenenden waren frei und baten eine gute Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. In Brisbane gibt es unzählige andere Au-pairs, vor allem auch Deutsche. Facebook bietet eine sehr gute Plattform um neue Kontakte zu knüpfen und Peter Pans (ein sehr zu empfehlendes Backpacker-Reisebüro) veranstaltet regelmäßig Treffen für  Au-pairs. Zusammen kann man Tages- oder Wochenendtrips unternehmen, wofür sich Brisbane als Ausgangspunkt hervorragend eignet, da man innerhalb von ein bis zwei Stunden sowohl in Noosa am Strand als auch im Springbrook Nationalpark sein kann. Ich habe hier viele neue Leute kennengelernt und wenn einen mal das Heimweh trifft, was mir zum Glück nur einmal passiert ist, oder man sich von den Gasteltern missverstanden fühlt, helfen einem die anderen Au-pairs aus diesem Tief.

Auch unter dem Aspekt der Sprache habe ich von meinem Au-pair Aufenthalt profitiert. Vor allem die Alltagstauglichkeit meiner Englischkenntnisse wurde auf die Probe gestellt. Nach einiger Zeit und zahllosen Blackouts fällt es einem nicht mehr schwer, spontan auf Englisch zu antworten, da man beginnt auf Englisch zu denken. Nach und nach eruiert man seine Fehler, die sich eingeschlichen haben und kann gezielt darauf achten.

Auch wenn mir vor allem die Kinder wahnsinnig fehlen werden, nach so einer langen Zeit wachsen sie einem wirklich ans Herz, freue ich mich nach fünf Monaten Arbeit auf meine Reise. Gemeinsam mit einem anderen Au-pair, das ich erst hier kennengelernt habe, geht es für uns die nächsten dreieinhalb Monate die Ostküste entlang, ins Outback und über Südostasien schließlich nach Hause.
Südostasien bietet sich deshalb für Backpacker und Au-pairs an, da es im Vergleich zu Australien sehr günstige Lebenshaltungskosten bietet und auf halber Strecke nach Deutschland liegt.
Ich kann diese Erfahrung jedem empfehlen, der nach dem Abitur die Zeit und Freiheit nutzen möchte eine andere Kultur kennenzulernen, offen, flexibel und freundlich ist und eine hohe Belastungsgrenze hat. Ich denke, dass ich immer positiv auf dieses Auslandsjahr zurückblicken werde, weil ich hier eine unglaublich schöne Zeit erlebe, in der ich nicht nur viel über Australien sondern auch über mich selbst gelernt habe. Dadurch, dass man in der Pflicht für seine Gastkinder ist, denke ich, dass ich noch einmal ein ganzes Stück verantwortungsbewusster geworden bin. Nach dieser Reise werde ich stärker, selbstständiger und unabhängiger mit einem Rucksack voller Erinnerungen und Erfahrungen nach Hause kommen, und dabei  trotzdem zu schätzen wissen, was in Deutschland auf mich wartet.

Antonia Seibold

         

    

Fotos: Seibold.

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