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Mit AFS ein Jahr in Chile

chileGiovanni verbrachte nach der 9. Klasse ein Jahr mit AFS in Chile. Seine humorvollen Eindrücke postete er auch regelmäßig auf Facebook:

Die ersten Eindrücke, die man von Chile bekommt, sind die Offenheit und wie gerne die Chilenen konversieren. Und das vor allem laut und durcheinander. Normalerweise sind es die Betreuer, die einem sagen, dass man nicht so laut sein soll; im Afs-Camp war es umgedreht: Die Betreuer, die einen eigenen Tisch hatten, haben durch den kompletten Essensraum gelärmt. Ich denke, dass ich nicht der einzige war, den das am Anfang sehr überrascht hat.

Den nächsten Eindruck, den ich bekommen hab, war, dass Chile um einiges ärmer als Deutschland ist! Die Straßen haben sehr viele Löcher, die Kabel verlaufen überirdisch, die meisten Leute wohnen in sehr kleinen Häusern oder Apartments, die Abwasserleitungen sind nicht groß genug, um Klopapier runter zu spülen, das Licht fällt manchmal aus usw. Natürlich wird uns das alles schon in Deutschland erzählt, aber es mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, ist nochmal etwas anderes. Eine weitere Sache, die einem auffällt und mir echt schwer gefallen ist, ist, dass Chile - wie die meisten Länder auf der Welt - nicht so sicher ist wie Deutschland. Am Anfang war es für mich nicht leicht, mich am Abend nicht frei bewegen zu können und dass mir immer gesagt wurde, dass mich jemand abholen wird, auch wenn es nur ein Fußweg von 10 Minuten war. Aber mittlerweile hab ich mir daran gewöhnt und verstehe auch immer besser warum. Auch der Humor ist eine Sache, an die man sich erstmal gewöhnen muss. Nach einiger Zeit merkt man auch, dass sich sein eigenes Verhalten ändert.

Mir persönlich fällt es schwer, mich daran zu erinnern wie die "Regeln" der Freundschaft in Deutschland waren. Ich hab mich daran gewöhnt, dass man sich selten mit nur einem Freund trifft, sondern öfters ein "junta", also ein Zusammentreffen mit mehreren Freunden, macht. Auch dass man, wenn man sich zum Beispiel ein Brot oder irgendetwas zum Essen kauft, es selten alleine essen kann. Natürlich nervt das auf die Dauer ein bisschen, aber man weiß immer, dass man das, was man gibt, immer zurück bekommt. Was mir auch sehr schwer gefallen ist, war, mich zu integrieren und Freunde zu finden. Oberflächlich sind zwar alle freundschaftlich, begrüßen dich immer und sagen sehr oft das du ihr "amigo" bist, aber das hauptsächlich nur in der Öffentlichkeit. Andrerseits, wenn man einmal einen Freund gefunden hat, ist das um so besser. Auch der Humor ist eine Sache, die am Anfang nicht leicht zu lernen bzw. zu verstehen ist. So kann man sich am Anfang genervt oder sogar beleidigt fühlen, wenn über einen Witze gemacht werden. Nach und nach versteht man die Witze und kann nach einiger Zeit sogar selber darüber lachen. Das Wichtigste dabei ist, es nie persönlich zu nehmen.

Was auch echt nicht leicht zu lernen ist - und ich selber hab noch nicht ausgelernt -, ist der "Chilenismus". In Deutschland gibt es ein Wort und das hat eine Bedeutung, hier in Chile gibt es Wörter mit viel mehr als nur einer Bedeutung, z.B. das Wort "weon": Es kann wie "Freund" verwendet werden oder "bester Freund" usw., aber dieses Slang-Wort wird nicht nur für Positives verwendet. Als ich einmal mit meinem Vater durch den Abendverkehr gefahren bin, gab es vor uns fast einen Unfall. Beide Unfallgegner haben sich erstmal angeschrien und in diesem Wortgefecht ist das Wort "weon" sehr oft gefallen, und ich denke nicht, dass der Unbekannte sich einen neuen Freund machen wollte. Auch andere Wörter wie das "sipo", "nopo" oder "japo" sind nicht sehr leicht zu erlernen.

Ein Bild, das ich nie vergessen werde, besser gesagt eine Eigenschaft der Chilenen, ist ihre Gelassenheit und Spontaneität. Abgesehen vom Autoverkehr regen sich die Chilenen selten auf, und was noch besser ist, ist ihre Spontaneität. So plane ich grad mit einem chilenischen Freund und Afs-Volunteer für eine Woche eine Freundin im Norden zu besuchen. Während ich schon den Bus rausgesucht hab und die Tickets, Unterkunft, Essen für die Reise geplant hab, schaut er grade noch nach einer Unterkunft. Was mich auch sehr beeindruckt hat, war die Natur in Chile. Es gibt von allem etwas. Als ich noch in Deutschland war, wusste ich zwar mein Gastland, aber ich wusste immer noch nicht, für welches Klima ich packen sollte. Das fand ich damals schon interessant und finde ich jetzt noch interessanter. Bei mir regnet es ziemlich viel und es ist mehr oder weniger mild. Wenn ich mit Freunden schreibe, sagen sie, dass man z.B. in Santiago fast nicht rausgehen kann, weil es so heiß ist. Was noch erschwerend dazu kommt, dass hier keine oder fast keine Ozonschicht vorhanden ist, so dass die Sonne hier sich nochmal doppelt so heiß anfühlt. Was ich auch vorher schon genannt hatte, waren "juntas"; diese gibt es jetzt im Sommer immer öfters. Zu meinem Glück hat mein Familie einen Pool und so treffe ich mich sehr oft mit ein paar Freunden. Wir gehen baden, und essen dann "completos" oder ähnliches. Was ich in Chile auch sehr oft mache, ist, mich mit einem oder mehren Freunden treffen und abends mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren. Außerdem unter Jugendlichen sehr beliebt ist, sich am Abend mit einem Mädchen zu verabreden. Meistens mit einem Mädchen, von dem man was möchte. Das sind normalerweise auch die ersten Schritte zu einer festen Beziehung. Wobei man sagen muss, dass hier eine Freundin zu bekommen etwas komplizierter ist als in Deutschland. In Deutschland ist es zusammen oder nicht zusammen, in Chile ist das etwas komplizierter. Man beginnt normalerweise auf einer Party, trifft sich dann danach nochmal und nach einiger Zeit beginnt die erste Vorstufe, das "andando". Danach kommt das "pololiando" und nach normalerweise einem halben bis einem Jahr ist man dann offiziell zusammen. Ich würde diese Wörter gerne übersetzen, aber es gibt leider kein deutsches äquivalentes Wort. Wie man sieht, ist das alles etwas komplizierter als in Deutschland, hat aber auch seine Vorteile. In einigen Fällen gibt es sogar noch eine Vorstufe, die "amigos con ventaja", was soviel bedeutet wie "Freunde mit Vorteilen".

Was in meiner Stadt auch sehr beliebt ist: eine Sportart genannt Paddel. Dies ist eine Mischung aus Tennis und Squash mit vier Spielern in einer Art Käfig, was sehr schwierig ist und gute Reaktionen erfordert. Ein Sache, die mich auch sehr überrascht hat, ist der Ehrgeiz, den hier nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern bei sportlichen Aktivitäten an den Tag legen. Ich würde von mir selber nicht sagen, dass ich unsportlich bin oder etwas in die Richtung, trotzdem war ich beim Laufen im Sportunterricht einer der langsamsten. Was in meinem Alter immer beliebter wird, sind "fiestas" also Partys. Der Modestil ist hier auch nicht ganz so frei wie in Deutschland. Insgesamt lebt man hier etwas konservativer; auch zum Thema Homosexualität. Was nicht heißen soll, dass Homosexuelle hier diskriminiert werden. Um nochmal zu den Jugendlichen zurück zu kommen, andere Aktivitäten sind ähnlich wie in Deutschland, sowas wie mit Freuden ins Kino, etwas essen gehen etc.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Chile ein Land mit einer sehr schönen Natur, netten Menschen und einem angenehmen Lebensstil ist.

Giovanni Stickdorn

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